Mut zum Nein aus Treue zu den eigenen Bedürfnissen

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Wenn wir uns über andere ärgern, geht nicht selten voraus, dass wir zu einem früheren Zeitpunkt „eine rote Ampel überfahren haben“. Was ich damit meine?
Eine Seminarteilnehmerin, nennen wir sie Birte, klagte, nach einem Beispiel für eine schwierige Kommunikationssituation gefragt, es gäbe Menschen, die seien einfach aufdringlich.
Als wir der Sache nachgingen, stießen wir auf mehrere Momente, in denen sie eine Frage gerne mit „nein“ beantwortet hätte, dies jedoch nicht tat.
Birte hatte sich in einem Café mit einem Freund getroffen, den sie nur sehr selten sah. Die beiden waren in ein intensives Gespräch vertieft, als eine Frau an ihren Tisch trat und fragte, ob sie sich dazusetzen könne. Im kommunikativen Köln eine ziemlich alltägliche Situation.

Eigentlich wollte Birte das nicht. Zu kostbar war der intime Moment mit dem Freund. Dennoch antwortete sie: „Ja bitte.“ Die Frau setzte sich und beteiligte sich alsbald am Gespräch, besonders als sie registrierte, dass sie beide Künstlerinnen waren.
Der Freund überreichte im Gespräch der Fremden einen Flyer seiner Künstlerfreundin. Er wollte sie gerne unterstützen. In Birte regte sich zum zweiten Mal Widerstand. Sie schritt aber nicht ein.
Die fremde Frau verabschiedete sich schließlich und fragte, ob es recht sei, wenn sie sich einmal melde, weil sie ja in einem sehr ähnlichen Gebiet tätig seien. Birte sagte auch in diesem Fall höflich: „Okay.“ Als die andere dann tatsächlich „auf der Matte stand“, war Birte genervt.

Was die GFK dazu sagt: Ich bin jederzeit frei, auf die Bitte meines Gegenübers mit ja oder nein zu antworten. Gleiches gilt natürlich erst recht für Forderungen. Erfüllen Menschen Bitten gegen ihre eigenen Bedürfnisse oder kommen Forderungen nach, bezahlen beide Seiten dafür einen hohen Preis. Ein empathisches Nein bedeutet aufrichtig mitzuteilen, wie es mir gerade geht und welche Bedürfnisse mich im Moment davon abhalten, ja zu sagen.

Praktisch:
„Darf ich mich dazusetzen?“ > „Bedaure, das passt gerade nicht. Wir sehen uns nur ganz selten und sind mitten in einem sehr vertraulichen Gespräch.“

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