Corona Lockdown – Hilfe, mein System macht nicht mit

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Ich sehne mich nach Gemeinschaft, Berührung und Nähe

Ich sitze Ostersonntag – anders als in allen Jahren zuvor – von meinen Lieben (Familie/Freude) getrennt allein zuhause. Ich spüre, wie dieses Erleben Gefühle von Einsamkeit, Schmerz und Ohnmacht aus alten Kindertagen wiederbelebt. Gefühlen, denen ich im Moment schwer ausweichen kann und auch nicht will. Ich fühle in tiefstem Herzen, wie wichtig mir Gemeinschaft, Berührung und Nähe sind. Ich übernehme die Verantwortung dafür, wie oft ich selbst diese Bedürfnisse dem „Funktionsmodus meines Lebens“ untergeordnet habe. Das werde ich ändern.

Corona hat mich aus der Kurve getragen

Ich bin dankbar für die Ruhe, die ich zurzeit un-freiwillig genieße. Ich bin dankbar für die finanzielle Zuwendung des Landes NRW, die meine Existenzangst lindert. Dennoch schaue ich nicht ohne Sorge in meine berufliche Zukunft, weil ich nicht wirklich einschätzen kann, wie sich der momentane weltweite Lockdown wirtschaftlich auswirken wird.
Aus vollem Lauf gestoppt, erlebe ich mich als erschreckend langsam und ahne, wie unmenschlich hoch mein früheres Tempo gewesen sein muss. Ich bin zuversichtlich, dass mich die Online-Tools, die ich derzeit aktiv und kreativ nutze, bei einem neuen Modus unterstützen können. Im Moment fühle ich mich oft wie ein Motor im Stillstand, der immer wieder vergeblich versucht anzuspringen. Ich werde mein Tempo anpassen.

Die Natur und ich atmen durch

Ich bin dankbar für den strahlend blauen Himmel, die frische Luft und die Ruhe, die mich seit Tagen umgeben. Zum ersten Mal kann mich meine Freundin aus ihrem Garten anrufen und wir hören Vogelstimmen statt Fluglärm. Ich hoffe, dass wir daraus lernen und die immer exzentrischeren Wünsche unserer manipulierten, defizitären Egos nach „mehr, höher, schneller, weiter“ nach der Krise neu bewerten – nicht zuletzt unter umweltpolitischen Gesichtspunkten. Ich bin erstaunt, wie wenig Geld ich wirklich brauche, und ich habe viel Freude am „ausmisten“. Ich bin gespannt darauf, diesen Minimalismus in meinen Alltag zu retten und für mich mehr Ruhe und Freiheit zu gewinnen.

Ich bin voller Empathie

Ich verstehe meinen 80jährigen Nachbarn vollkommen, der sich entscheidet, auch weiterhin am öffentlichen Leben teilzunehmen, indem er zum Beispiel unter Wahrung der Sicherheitsregeln seinen täglichen Einkauf macht. Ich kann fühlen, was unsere Dreijährige ohne Spielgefährten für ihre Mami bedeutet. Ich höre von der Angst einer Familie, die Raten für das mit viel Energie und Liebe renovierte Haus aufgrund eines geschmälerten Verdienstes vielleicht schon bald nicht mehr bedienen zu können. Mir wird ganz schlecht, wenn ich von einer Freundin höre, dass ihre plötzlich schwer erkrankte Schwester ohne jeglichen Besuch und Beistand ihrer Lieben bleibt … dass eine andere Frau ihren Vater nicht beerdigen kann … dass der zwölfjährige Neffe eines Freundes die Angst äußert, seine Großmutter mit seinem Besuch zu töten … dass sich in meinem unmittelbaren Umfeld zwei Menschen – die eine psychotisch, die andere angstgestört und depressiv – in fachkundige Behandlung begeben müssen …
Was für Herausforderungen!

Wut, Ohnmacht und Traurigkeit

Ich selbst bin am Ostersonntag durch heftigste Gefühle von Wut, Ohnmacht und Trauer gegangen. Für Stunden habe ich nicht gewusst, wie ich damit umgehen sollte. Jede Form von Ablenkung hat versagt. Schließlich konnte ich mit einer Meditation durch die Krise gehen. Ich habe die Gefühle gefühlt und mich mit dem verletzten Inneren Kind verbunden. Ich habe Wut und Ohnmacht in meinem Körper gespürt und dann regelrecht geschluchzt. Das war erstmal heftig, aber dann sehr befreiend. Jeden Morgen zelebriere ich eine kleine Sequenz, um mich zu sammeln, mich mit meinem Körper zu verbinden und mich auf Selbstliebe auszurichten. In meinem Tipp habe ich die Übungen für Euch zusammengestellt.

An der Krise wachsen

Als ich vor 13 Jahren aus heiterem Himmel eine besorgniserregende Diagnose bekam, fühlte sich das an wie der unerwartete Paukenschlag in einer Sinfonie. Ich blieb augenblicklich, bildlich gesprochen, stehen und sagte: „Ich habe verstanden, dass sich etwas ändern muss“. Mit Unterstützung begab ich mich auf die Suche nach innen. Mir war sofort klar, dass ich aus einem geringeren Anlass nicht in die Gänge gekommen wäre. Ich nahm mir eine Auszeit von über zwei Jahren, verabschiedete mich dauerhaft von bestimmten Menschen, Arbeiten und Gewohnheiten. Das erforderte Mut und tat sehr weh. Rückblickend gesehen, war es genau das, was ich brauchte, um meinem Leben eine neue Richtung zu geben. Wenn ich auf die letzten 13 Jahre zurückblicke, fühlt sich die Veränderung an wie „Phönix aus der Asche“.
Könnte Corona auf der gesellschaftlichen Ebene etwas Ähnliches für uns leisten?

Alexia Meyer-Kahlen leitete diese Botschaft an mich weiter

Alexia schrieb mir, dass sie und weitere 49 zertifzierte Akasha-Leser/innen sich auf Einladung der Lehrerin Soluru Antari per „Zoom“ trafen, um ihre individuellen  Akasha-Chroniken zur „Corona-Krise“ zu befragen. Ihre wesentlichen Einsichten benennt Alexia wie folgt:
„Das Virus ist ein Weckruf, bewusster zu werden im Umgang mit mir selbst und dem, was mich umgibt.  Es öffnet den Raum, mich zu entscheiden. DU BIST GEFRAGT. DU und DU und DU. Runter aufs Feld zu gehen und selbst ins Spiel zu kommen. Was heißt das? Vor allem, dass es mit mir beginnt!

  • Vom Tun ins Sein kommen, vom Denken ins Fühlen, vom Kopf in den Körper.
  • Mich immer wieder neu auszurichten auf meine Seele, meine göttliche Essenz, und von da auf innere Führung zu lauschen.
  • Jetzt aktiv lösen und läutern, was meiner Transparenz auf das Licht entgegensteht. Das reicht vom äußeren Entrümpeln des Kellers bis zur inneren Integration von Seelenanteilen, die noch abgespalten sind.
  • Das Feld der Angst, das gerade kollektiv erzeugt wird und noch beträchtlich anwachsen wird, zu durchschauen und mich immer wieder aktiv für das Vertrauen zu entscheiden.

Es braucht mein klares JA, die zu sein, die ich wirklich bin. Und Worten Taten folgen zu lassen. Durch bloßes Aussitzen hat sich noch kein Bewusstsein gewandelt. Die gute Nachricht: Wir dürfen vertrauen. In die Kräfte des Lichts und in die Kräfte der Liebe. Wir sollen herausgeschält werden aus all unseren Begrenzungen. Die Menschenseelen wollen und sollen zu sich selbst erwachen. Aber es braucht unser JA dazu, es braucht Bewusstseinsarbeit. Sonst fallen wir der Angst zum Opfer.“ (Quelle: absichtenderseele.wordpress.com)
Ich sehe hier viele Parallelen zu dem persönlichen Prozess, den ich vor Jahren durchlief.

Angst war noch nie ein guter Berater

Wenn ich die Angst in den Augen der Menschen als Reaktion auf die öffentliche Berichterstattung (mir werden vor allem immer wieder martialische Bilder geschildert) sehe, wenn ich die Vehemenz erlebe, mit der jede abweichende Meinung zurückgewiesen wird, will ich meinen Teil der Verantwortung dafür übernehmen, dass wir als Gesellschaft nicht um jeden Preis Sicherheit über demokratische Rechte und Freiheit stellen. Ich kann im Moment in alle Richtungen denken und weiß doch, dass ich nichts weiß. Zu neu ist die momentane erlebte Situation. Selber denken jedoch bleibt Pflicht!

Ich möchte leben, bevor ich sterbe

Meine Tochter unterstützt derzeit „systemrelevant“: als Krankenschwester. Ja, auch ich möchte, dass wir mit möglichst wenig Opfern durch diese Krise kommen und dass ich und meine Lieben gesund bleiben. Auch Dein Leben liegt mir am Herzen. Ich halte mich an die Regeln und ich wünsche mir persönliche und gesellschaftliche Entscheidungen mit Augenmaß auf Grundlage einer breit geführten, offenen und kontroversen Expertendiskussion.
Wir werden alle irgendwann sterben. Aber zu sterben, ohne wirklich gelebt zu haben, wäre für mich ein zu hoher Preis. Daher nutze ich die Chancen, die Corona mit sich bringt, auch wenn es weh tut. Mutig durch die eigene Angst. Dahinter liegt die Freiheit.

2 Kommentare zu Corona Lockdown – Hilfe, mein System macht nicht mit

  • Liebe Beate,

    Deine Veranstaltungen haben mir sehr viel gebracht, auch der Kontakt zu vielen empathischen Menschen in den Seminaren.

    Neben meinen ganz persönlichen Teilnahmen habe ich Dir 2 Aufträge aus meinem beruflichen Umfeld zuteil werden lassen. Meine große Bewunderung gilt Dir, wie gut Du Deine Methodik auf die ganz unterschiedlichen Aufgabenstellungen anwenden kannst und zu völlig anderen Gestaltungen von Seminaren gelangst.

    Meine Alexia hat an einem WE-Seminar bei Dir teilgenommen und dies war nach meiner Einschätzung mindestens ein kleiner Baustein für deren persönliche Entwicklung.

    Falls Du unter der Woche Dein „Alleinsein“ mal unterbrechen willst, komme ich von Neuss gerne Richtung Köln an den Rhein, um sich bei einem Spaziergang auszutauschen. Ich werde mich bemühen, zuzuhören und weniger „Kopfmensch“ zu sein.

    Herzlicher Gruß
    Dieter

  • Liebe Beate,
    herzlichen Dank für Deine offene Schilderung. Ich kann das sehr gut nachvollziehen.
    Mein System hat schon vor einiger Zeit gestreikt. Mit therapeutischer Hilfe wurde mir das Ausmaß an Erschöpfung bewusst, in das ich durch Pendeln, Arbeit und Angehörigenpflege gekommen war. Deine Formulierung „unmenschlich hoch“ trifft es genau auch für meine Anstrengung. Die eine Pflicht durfte ich gut zu Ende bringen, die andere konnte ich durch Berentung ablegen. Trotzdem dauerte es, bis der „Motor begriff, dass er nicht mehr versuchen muss, anzuspringen“ – auch ein sehr schönes Bild! Manchmal meldet er sich aber noch… und Alpträume zeigen an, dass das Unterbewusstsein immer noch verarbeitet
    Ich kann die erzwungene Terminlosigkeit jetzt gut nutzen, um weiter zur Ruhe zu kommen und mir zu erlauben, nichts zu tun. Ich weiß, dass es reicht zu „sein“. Trotzdem meldet sich regelmäßig die Trauer, keine Energie mehr zu haben, etwas zu tun, etwas für meine Mitmenschen zu tun. Immer wieder muss ich mir bewusst machen, dass das, was ich getan habe, schon „für ein anständiges Leben“ reicht, wie meine Freundin es ausdrückte. Ich übe mich darin, mir die Muße zu erlauben.
    Ein ganz wichtiges Gefühl dabei ist mir die Dankbarkeit. Ich hatte bisher die Stärke, aus meinen Rahmenbedingungen das Beste zu machen, und ich bin mir sehr bewusst, wie privilegiert ich vergleichsweise lebe.
    Liebe Beate, ich wünsche Dir, dass Du mit Deinem Mut im Vertrauen bleiben kannst. Und aus Erfahrung kann ich sagen: es wird besser!

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